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Eine kleiner Ausflug in die Bauphysik und Welt der Normen

Unsere Vorfahren haben die wenigen natürlich vorhandenen Werkstoffe sinnvoll miteinander

kombiniert, und mit wenigen Mitteln langlebige und bis heute gesunde Gebäude erschaffen.

Sie haben der Natur auf die Finger gesehen und die genialen Entwicklungen der Evolution

an vielen Stellen verstanden und kopiert..

 

Wenn man die im Grunde einfachen bauphysikalischen Zusammenhänge verstanden hat, wird

klar, warum die römische Heizung so gut funktionieren muss.

 

Die nachfolgenden Aussagen mögen auf den ersten Blick provokant erscheinen mögen - am

Wahrheitsgehalt ändert es dennoch nichts! Gute Literatur dazu ist reichlich vorhanden.

 

Nachfolgende Aussagen gelten gemäß langer empirischer Erfahrungen für massive,

monolitisch-mineralische Werkstoffe ohne Hohlräume - insbesondere Wandstärken ab 30 cm

sowie massive Holzwände sind besonders gut geeignet, ihre Potentiale zusammen mit

Temperierung voll auszuspielen.

 

1. Der U-Wert ist ein Laborwert

Er hat mit der gemessenen Realität nichts zu tun.

Die Ermittlung des Wertes erfolgt im stationären bzw. Beharrungszustand. Das bedeutet, dass

zwischen Innen- und Außentemperatur eine konstante Differenz vorliegt. Die Messung beginnt, wenn

ein konstanter Wärmefluss zwischen der warmen und der kalten Seite des Bauteils eingesetzt hat.

Das hat aber mit den instationären Verhältnissen einer dem Wetter und der Sonne ausgesetzten

Außenwand nichts zu tun, sondern beschreibt den Fall einer im Erdreich stehenden Kellerwand.

 

Wenn man die Masse eines Mauerwerks und seine Wärmespeicherfähigkeit  nicht berücksichtigt

bzw. die Einspeicherung solarer Energie durch Wärmedämmung unterbindet, kann der

Energiegewinn durch Einspeicherung nicht realisiert werden. Dieser Effekt wurde mehrfach

messtechnisch nachgewiesen! Wo rechnerisch Verluste in den betrachteten Zeiträumen hätten

eintreten müssen, wurden Gewinne gemessen. So werden massive Wandwerkstoffe künstlich

schlecht gerechnet.

 

Des Weiteren geht die Norm von einer unveränderlichen durchschnittlichen Feuchte im Wand-

querschnitt aus. Auch hier ist längs und vielfach belegt, dass dies unzutreffend ist. Die Art der

Beheizung hat sogar entscheidenden Einfluss auf die Feuchtegehalt.

Die Durchfeuchtung eines Bauteils erfolgt wesentlich aus der Raumluft. Wasserdampf kann

aber nur an die Oberflächen andocken, wenn die Oberflächentemperatur zu niedrig ist. 

Ausreichend hohe Oberflächentemperaturen - sommeliche Verhältnisse sind ausreichend -

und sorgen für trockene Wände.

Eine speicherfähige, trockene, massive und monolithische Wand hat von Natur aus gute

Dämmeigenschaften. Mineralische Werkstoffe weisen dann eine mehr als halb so große

Wärmeleitfähigkeit auf, als nach den Normen angesetzt werden muss. Energieausweise

haben daher im Grunde keine Aussagekraft.

 

2. Der U-Wert als Qualitätsmerkmal für die Wärmeschutzeigenschaften eines Bauteils

Prof. Dr. Claus Maier hat in seinen Büchern aufgezeigt, wie die passiven, solaren Wärmegewinne

speicherfähiger Werkstoffe wie Stein und Holz berücksichtigt werden können.

Die gemessene Praxis hat die theoretisch ermittelten Werte immer bestätigt.

 

Ein Bauteil muss anhand folgender Faktoren beurteilt werden:

a. Dichte (Raumgewicht)

b. spezifische Wärmespeicherkapazität

c. Wärmeleitfähigkeit

d. Wärmeeindringungsfähigkeit (Koeffizient beschreibt, wie gut solare Zustrahlung vom Material

aufgenommen wird)

 

Der Wärmebedarf einer massiven Wand wird wesentlich bestimmt durch die vorgenannten Faktoren

in Verbindung mit Wandstärke, Durchfeuchtungsgrad und Temperaturdifferenz. Durch Nutzung des

solaren Energieeintrages steigt der thermische Wechselstromwiderstand. So kann ein trockene und

ausreichend dicke massive Wand in ihrem Wärmebedarf erheblich verbessert werden

Je geringer die Bauteilfeuchte, desto schlechter ist deren Wärmeleitfähigkeit bzw. umso besser

dämmt sie.

 

Mit Temperierung werden die Vorteile der Speicherfähigkeit und trockener Baustoffe kombiniert.

 

3. Je höher (schlechter) der U-Wert, umso besser die Dämmwirkung!

Paradox? Je höher die Rohdichte eines mineralischen Werkstoffes, desto höher der U-Wert.

Je höher die Materialdichte, desto höher ist deren spezifische Wärmespeicherfähigkeit.

Die eingespeicherte Wärme sorgt in tieferen Wandebenen noch bis in die frühen Morgenstunden

für einen Temperaturanstieg und wirkt somit der Richtung eines Wärmeverlustes entgegen.

Man kann dieses Verhalten als thermischen Wechselstromwiderstand bezeichen.

Dieser ist in den Normen nicht berücksichtigt, wurde aber mehrfach messtechnisch nachgewiesen.

 

Das erklärt die tatsächlich guten Eigenschaften unporosierter Ziegel und die im Vergleich zum

rechnerischen Bedarf tatsächlich gemessenen wesentlich geringeren Energiebedarfswerte.

 

4. Außen-Dämmung verhindert solaren Energieeintrag in das Mauerwerk 

- auch diffuses Licht an einer Nordwand ist in unseren Breitengraden nicht zu vernachlässigen.

WDVS verhindern diesen Energiegewinn Der thermische Wechselstromwiderstand kommt somit

nicht zum Tragen.

 

5. Aussendämmung von mineralisch-monolitischen Aussenwänden genügt i.d.R. nicht dem

im GEG verankerten Grundsatz der Wirtschaftlichkeit.

Die Kosten werden über die Standzeit der Systeme hinweg zumeist nicht eingespielt  sehr häufig wird

nicht einmal ein Break-Even erreicht.

Aussendämmung erhöht die Baukosten und ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Die Förderung solcher

Maßnahmen ist im Grunde Betrug an den Bauherren und Steuerzahlern.

 

Ob und welche Maßnahmen erforderlich und wirtschaftlich sind, ist immer im Zusammenhang

Außenwandaufbau, -stärke, Gebäudelage, lokales Klima, Art der Beheizung und den Fenstern zu

betrachten. Der in den Verordnungen verankerte Wirtschaftlichkeitsbegriff umfasst hierbei nur die

energetische Betrachtungsweise. Gesundheitliche Folgekosten aufgrund eines belastenden

Raumklimas oder die Kosten häufigerer Folgesanierungen gehen in die Betrachtung nicht ein.

 

6. Fußwärme entsteht zuallererst durch ruhende Luft, ausreichende Zustrahlung im Sockelbereich

und durch die Beschaffenheit des Fußbodenbelages, aber nicht durch Wärmedämmung unter der

Bodenplatte oder dem Estrich.

So ist verständlich, warum sich unterschiedliche Fußböden bei identischer Oberflächentemperatur so

unterschiedlich anfühlen (z.B. Sollnhofener Platten versus Kork oder geölten Holzoberflächen).

 

7. Nachtabsenkung führt eher zu einer Erhöhung des Energiebedarfes!

Die Gebäudehülle steht im Strahlungsenergieaustausch mit Erdatmosphäre. Diese hat bei 

unbewölktem Himmel Sommer wie Winter, bei Tag und Nacht -58 Grad. Bei Nacht kühlt die Hülle

infolge fehlender Sonneneinstrahlung ab. In der Heizperiode nimmt man der Hüllfläche gerade in

der Zeit die ausgleichende Wärmezufuhr weg, in der die Wandmasse mangels ausreichender

Tagesaufladung durch Abstrahlung abkühlt - das ist vergleichbar mit dem Stop and Go Verkehr,

der bekanntlich mehr Treibstoffverbrauch zur Folge hat. Ein Wärmedämmverbundsystem kühlt

aufgrund kaum vorhandener Wärmespeicherkapazität noch stärker als ein massives Mauerwerk oder

eine Massivholzwand aus. Deshalb werden auch Grashalme nass oder es setzt trotz deutlicher

Plusgrade Bodenfrost ein. Die Oberflächen werden nass, nehmen Schmutz (=Nährstoffe) auf und

veralgen schnell.